Ohne Scanner - Digital abfotografierte Schwarz-Weiß-Negative mit ColorPerfect / ColorNeg verarbeiten

Für die Verarbeitung von Schwarz-Weiß-Negativen in ColorPerfect's Modus ColorNeg kann die digitale Reprofotografie bereits heute eine attraktive Alternative zum Filmscanner sein. Dies gilt insbesondere für Anwender, die über eine hochwertige Digitalkamera mit Makroobjektiv, nicht aber über einen solchen Scanner verfügen oder die eine schnellere Digitalisierungsmethode für ihre zahlreichen Schwarz-Weiß-Negative suchen. Die Technologien zur automatischen Entfernung von Staub und Kratzern durch Filmscanner funktionieren für Schwarz-Weiß-Film ohnehin nicht, sodass in beiden Fällen ein ähnlicher Retuschierbedarf besteht.

Abhängig von bereits vorhandener Technik und dem Budget gibt es zahlreiche mögliche Vorgehensweisen beim Abfotografieren der Negative. Grundsätzlich gilt es bei der Aufnahme zu beachten, dass sich die optische Achse im Zentrum des Negativs befinden, dieses zur Sensorebene der Digitalkamera parallel ausgerichtet sein und plan liegen sollte. Eine gleichmäßige Beleuchtung, die so erfolgt, dass das Licht durch das Negativ in Richtung der Kamera scheint oder dass eine Fläche im Hintergrund beleuchtet wird, ist ebenfalls erforderlich.

 

Im einfachsten Fall benötigt man neben der Kameratechnik also nur etwas, um die Planlage des Films sicherzustellen, ein Stativ und eine Lichtquelle. Es gibt von verschiedenen Herstellern fertige Aufnahmekonzepte in Form von Diakopieradaptern, die auch als Diaduplikator bezeichnet werden. Sofern vorhanden, kann mit etwas Geschick auch ein Diaprojektor ohne sein eigenes Objektiv oder wie im obigen Beispielaufbau gezeigt, der Kopf und die Negativbühne eines Farb- oder Schwarz-Weiß-Vergrößerers verwendet werden.

Workflow zur Verarbeitung mit der Digitalkamera reproduzierter Schwarz-Weiß-Negative mit MakeTiff

Alle Repro-Fotos sollten selbstverständlich im RAW-Modus aufgenommen werden. Das mit ColorPerfect 2.0 veröffentlichte Hilfsprogramm MakeTiff, das Sie rechts zum Download finden, macht es Ihnen sehr leicht, aus solchen RAW-Fotos lineare Tiff-Dateien zu erzeugen, die Sie unverändert mit Photoshop, Photoshop Elements oder PhotoLine öffnen und mit ColorPerfect weiterverarbeiten können.

Nach dem Start von MakeTiff müssen die gewünschten RAW-Dateien lediglich per Drag & Drop auf das Programm gezogen werden. Die entsprechenden Tiff-Dateien werden dann im Verzeichnis des Ausgangsmaterials erzeugt.

Die Tiff-Dateien werden im RGB-Modus erzeugt. Wenn Sie die Negativumwandlung bereits im Graustufenmodus vornehmen möchten, sollten Sie dem Tiff zunächst ein RGB-Farbprofil zuweisen (Photoshop > Bearbeiten > Profil zuweisen), das dasselbe Gamma bzw. dieselbe Tonwertkurve nutzt, wie Ihr gewünschtes Graustufenprofil. Mögliche Kombinationen hierfür sind: Apple RGB und Gray Gamma 1.8, Adobe RGB 1998 und Gray Gamma 2.2 sowie sRGB und sGray. Alternativ kann das gewünschte RGB-Farbprofil auch einfach bereits in MakeTiff konfiguriert und zugewiesen werden.

Zusätzlich zum Zuweisen des entsprechenden RGB-Farbprofils muss je nach Version von Adobe Photoshop aus dem Menü Bild > Anpassungen bzw. Bild > Korrekturen das Werkzeug Kanalmixer gestartet werden. In diesem ist die Checkbox Monochrom am unteren Rand des Dialogs zu aktivieren, um jeglichen Farbstich aus dem Repro-Foto zu entfernen. Hierbei dürfen Sie die Werte der Quellkanäle beliebig variieren, solange sich diese zu 100% addieren.

Anschließend konvertieren Sie vom RGB-Farbprofil explizit in das gewünschte Graustufenprofil (Photoshop > Bearbeiten > In Profil konvertieren). Der Arbeitsschritt mit dem Kanalmixer ist erforderlich, da der Konvertierungsprozess, sofern das Quellbild farbig wäre, die Tonwerte des Negativs beschädigen würde.

Für Schwarz-Weiß-Vorlagen können Sie alternativ auch allein den Grünkanal verwenden, der sich von den übrigen beiden Farbkanälen durch die doppelte Anzahl zugehöriger Pixel auf dem Sensor unterscheidet. Dazu in Photoshop auf der Palette Kanäle den Grünkanal durch Anklicken auswählen, alles auswählen (Strg+A), kopieren (Strg+C), ein neues Dokument erstellen (Strg+N, Enter), Graustufenbild einfügen (Strg+V), auf Hintergrundebene reduzieren (Strg+E) und das gewünschte Graustufenprofil für die Ausgabe zuweisen. Lesen Sie, um mehr über die Nutzung von ColorPerfect mit Graustufenbildern zu erfahren, auch unseren zugehörigen Artikel.

Nach dem Start von ColorPerfect wählen Sie den Modus ColorNeg und setzen auf der Palette Start die Einstellung Gamma C entsprechend des gewählten Graustufenprofils bzw. RGB-Farbraums und beginnen mit der Feineinstellung Ihrer Negativumwandlung. Verwenden Sie für verlässliche und konsistente Ergebnisse immer MakeTiff und öffnen Sie die betreffenden RAW-Dateien nicht direkt mit Photoshop, Photoshop Elements oder PhotoLine. Nur MakeTiff ermöglicht Ihnen den Zugang zu den bereits interpolierten, aber anderweitig vollständig unveränderten Sensordaten, die einem linearen Negativscan am nächsten kommen.

Die ideale Belichtungseinstellung zum Abfotografieren der Schwarz-Weiß-Negative finden

 

Da beim Abfotografieren der Negative in der Regel mit konstanten Lichtbedingungen gearbeitet werden kann, bietet es sich an, alle Aufnahmen mit gleichbleibenden Einstellungen im manuellen Modus zu machen. Dabei sollte die niedrigste ISO-Einstellung der Kamera sowie eine für die Reproduktion sinnvolle Blende wie 8 oder 11 gewählt werden. Ersteres dient der Minimierung des digitalen Bildrauschens. Variieren Sie anschließend die Belichtungszeit, um die ideale Einstellung für diese letzte Variable zu finden.

Wenn die Variation der Zeit nicht möglich ist, z. B. bei Verwendung eines Blitzlichts, sollte die Intensität der Lichtquelle angepasst oder die Lichtquelle näher an die zu beleuchtende Fläche heran bzw. weiter von ihr weg gerückt werden. Erst wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, öffnen Sie die Blende weiter.

Bei der Suche nach geeigneten Kameraeinstellungen kann man sich zunächst am Histogramm der Kamera orientieren. Sobald Sie hier zufrieden sind, wandeln Sie eine Aufnahme mit MakeTiff in eine Tiff-Datei um und begutachten in Photoshop deren Histogramme. Die lineare Tiff-Datei der ersten Aufnahme könnte von ihrer Art wie rechts gezeigt aussehen. Da die Kamera selbst immer das Histogramm eines JPEGs, das durch ihren Bildverarbeitungsprozessor erzeugt wurde, zeigt, hat dieses mit dem nun sichtbaren Histogramm der tatsächlichen linearen Sensordaten wenig gemein.

Die von MakeTiff erzeugten linearen Tiff-Dateien der Negative erscheinen vor der Negativumwandlung stets recht dunkel. Das ist normal, da ihnen bei der Arbeit mit ColorNeg ein RGB-Farbraum bzw. Graustufenprofil für die Ausgabe des späteren Positivbildes zugewiesen werden muss. Die Dunkelheit bedeutet also nicht etwa einen generellen Mangel an Detail, sondern ist allein eine Frage der Darstellung. Würden die linearen Daten für die Darstellung am Bildschirm vorübergehend als solche gekennzeichnet, sähen sie entsprechend viel heller aus, als zuvor, ohne dass sich an den Bilddaten selbst etwas ändern würde.

Im Histogramm der linearen Tiff-Datei der ersten Aufnahme ist deutlich zu erkennen, dass dieses nicht voll besetzt ist. Zur besseren Orientierung haben wir über den Histogrammen zwei Skalen angebracht. Die Obere zeigt ganze Belichtungswerte, die untere Drittelbelichtungswerte. Uns interessiert zunächst nur der Hellste der drei Farbkanäle. Endet er vor der Hälfte des Histogramms, kann ein Lichtwert mehr belichtet werden, endet er vor einem Viertel entsprechend zwei Lichtwerte. Wenn wir im gezeigten Beispiel durch Verlängerung der Belichtungszeit 1,3 Lichtwerte mehr belichten, wird das maximale Detail aufgenommen, zu dem die Kamera mit dieser Lichtquelle fähig ist.

Um das Finden universell verwendbarer Einstellungen zu erleichtern, sollte das aufgenommene Testbild etwas unbelichtetes Filmmaterial enthalten, da nichts im Negativ heller werden kann als dieses. Die Fotos der Negative sollten generell nicht überbelichtet werden, was durch eine Spitze rechts im Histogramm erkennbar wäre.

Die Unterschiede zwischen den drei Farbkanälen hängen von der Art der Lichtquelle und den Sensoreigenschaften der Kamera ab. Natürlich können Farbfilter etc. verwendet werden, um diese auszugleichen, einen praktischen Nutzen hat das jedoch kaum. Da es mit dem im Beispielaufbau als Lichtquelle und Negativhalter verwendeten Vergrößerungskopf so einfach war, wurde diese Möglichkeit im Beispielbild für den nachfolgenden Vergleich dennoch genutzt. Es sei an dieser Stelle noch einmal betont, dass lieber einige Histogrammklassen unbesetzt bleiben sollten, sodass kein Überbelichtung entsteht.

Vergleich der Qualität der Reproduktion einer Digitalkamera mit der des Scans eines Filmscanners

 

Nachfolgend wollen wir die Ergebnisse der Schwarz-Weiß-Negativumwandlung mit und ohne Filmscanner gegenüberstellen. Als Ausgangsmaterial verwenden wir das Ergebnis des oben abgebildeten Aufbaus: Ein mithilfe eines Vergrößerungskopfes, einer Digitalkamera und eines Makroobjektivs (Nikon AF-S Micro-Nikkor 105mm 1:2,8G VR an Nikon D300s im 14-Bit-RAW-Modus) aufgenommenes und wie oben beschrieben interpoliertes lineares Digitalfoto.

Zum Vergleich betrachten wir den linearen Scan eines Filmscanners (Nikon Coolscan LS 8000). Nach der Negativumwandlung mit ColorNeg ist bei kleineren Ausgabeformaten der Unterschied zwischen dem Scan des Filmscanners und der Reproaufnahme erstaunlich gering. Die beiden Abbilder des Negativs wurden bei der Umwandlung mit ähnlichen aber nicht exakt gleichen Parametern bearbeitet. Dabei wurden allein die Einstellungen für Schwarz und Weiß in ColorPerfect geringfügig variiert, sodass möglichst ähnliche Ergebnisse resultierten.

Bei Betrachtung der Tonwerte des linearen Scans und des gemäß der obigen Anweisungen in den Graustufenmodus überführten Repros als Histogramm fällt auf, dass die Tonwerte des Repros etwas weiter rechts beginnen. Dies lässt sich durch die Faktoren verwendete Lichtquelle, Streulicht bei der Aufnahme sowie Grundrauschen des Kamerasensors versus Vierfachabtastung und daraus resultierender Rauscheliminierung im Fall des Scans erklären. Prinzipiell könnte dieser Unterschied vor der Negativumwandlung ausgeglichen werden, tatsächlich ist es ohne präzise Referenzwerte mit der dazu nötigen Schwarzpunktanpassung vor der Negativumwandlung jedoch schwer mehr gutzumachen als zu ruinieren. Da diese Unterschiede für monochrome Vorlagen durch Verwendung etwas unterschiedlicher Parameter bei der Negativumwandlung weitgehend ausgeglichen werden können, raten wir von jeder Anpassung des Repros vor der Negativumwandlung ab.

Wenn wir uns dem Vergleich der Qualität beider Versionen im Detail zuwenden, zeigt sich, wie zu erwarten, dass der Filmscanner beim Heranzoomen des fertigen Bildes, das detailliertere und schärfere Ergebnis liefert. Der gezeigte Scan wurde dabei auf ca. 70% seiner ursprünglichen Auflösung von 4.000 dpi verkleinert, um ihn mit dem Repro bei 100% deckungsgleich darzustellen. Anzumerken ist, dass das verwendete Beispielbild mit einer manuellen Kamera bei schlechten Lichtbedingungen und offener Blende auf Kodak T-Max TMY 400 Film aufgenommen wurde, sodass es bei hoher Vergrößerung an sich etwas unscharf scheint. Der Scan wurde nicht nachgeschärft, das gezeigte Repro hingegen schon, da Digitalkameras fast ausnahmslos einen Antialiasing-Filter beinhalten, der zwangsläufig zu einer gewissen Unschärfe nach der Aufnahme führt, wie diese nicht nachgeschärfte Version des Repros zeigt. Die diffuse Lichtquelle des Farbvergrößerungskopfes dürfte diese Unschärfe noch etwas intensiviert haben.

Bei der Negativumwandlung der gezeigten Bilder wurden die Einstellungen Schwarz und Weiß, die Komprimierung der Lichter und Schatten, das Zonensystem von ColorPerfect sowie ein Filmtyp aus der Liste der virtuellen Gradationen verwendet.

Funktioniert dieser Workflow nicht auch für digital abfotografierte Farbnegative?

Eine physikalisch korrekte Negativumwandlung ist wohl die extremste Bildanpassung überhaupt. Das oben für Schwarz-Weiß-Negative vorgestellte Vorgehen führt für Farbnegative leider nicht zu Ergebnissen, die denen eines Filmscanners ebenbürtig wären. Die zugrundeliegenden physikalischen Zusammenhänge haben wir bei der Entwicklung von PerfectRAW ergründet und verstanden. Wir hoffen, dass sich diese Erkenntnisse in einer zukünftigen Version von ColorPerfect in eine Funktion zur Verarbeitung abfotografierter Farbnegative in gewohnter Qualität umsetzen lassen. Ob und wann dies gelingt, ist aktuell jedoch noch nicht klar.

Uns ist bewusst, dass zahlreiche unserer Nutzer Farbnegative auf verschiedene Weisen mit Digitalkameras abfotografieren, mit ColorNeg umwandeln und häufig berichten, zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen und wir freuen uns, dass sie zufrieden sind. Physikalisch betrachtet sind alle diese Vorgehensweisen jedoch äußerst abenteuerlich, sodass wir sie an dieser Stelle weder empfehlen noch detaillieren möchten. Unsere Messlatte für Empfehlenswertes bezüglich Farbintegrität und -qualität liegt sehr hoch. Ohne diese Ansprüche wäre ColorPerfect vermutlich nie entwickelt worden.

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