Einfluss des Filmmaterials und der Belichtung auf das Farbrauschen in Farbnegativen

Einige Farbnegativscans weisen deutliches und unerwünschtes Farbrauschen in den dunkelsten Partien des Bildes oder in stark gesättigten Farbflächen auf. Aufgrund dieses Sachverhalts werden wir häufig gefragt, ob es sich dabei um eine Art von scannerbedingtem Farbrauschen handelt und manchmal warum sich das Rauschen dann nicht durch geeignete Mehrfachabtastungseinstellungen ausschalten lässt.

Diese Frage beruht auf einem Missverständnis aus der Welt des Diafilms. Beim Scannen von Dias ist Farbrauschen in den dunkelsten Partien des Positivbildes mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Scanvorgang selbst bedingt und kann in der Regel durch geeignete Mehrfachabtastungseinstellungen in der Scannersoftware ausgeschaltet werden.

Dias sind mitunter so dicht, dass in ihren dunkelsten Partien sehr wenig Licht durchdringt, das der Scanner detektieren könnte. Daher wird das geräteeigene Rauschen hier zum Faktor. Da dieses Rauschen zufällig ist und in mehrfachen Scandurchgängen an verschiedenen Stellen im Bild auftritt, lässt es sich auf Basis solcher Mehrfachscaninformationen heraus rechnen. Im Fall von Farbnegativen ist der dunkelste Teil des späteren Positivbildes jedoch auf dem Negativ und damit in dem vom Scanner eingelesenen Bild der hellste Teil. Dieser helle Bereich ist für scannerbedingtes Farbrauschen gar nicht anfällig. Zudem ist er aufgrund der linearen Arbeitsweise des Scanners generell der am besten detaillierte Teil des gesamten Scans. 

Für gewöhnlich spielt der unbelichtete Film eine wesentlich größere Rolle bei solchem Farbrauschen, als man denken mag. Wenn wir die charakteristischen Kurven eines Farbnegativfilms (hier Fuji Reala) betrachten, sehen wir, dass, bevor die Kurven beginnen gleichmäßig anzusteigen, ein Kurvenfuß über einen Bereich von einem oder mehreren Belichtungswerten (1EV = 0.3 log Exp.) existiert. In diesem Bereich wächst die Dichte zunächst langsam an und erhebt sich zu Beginn kaum über die Grundkörnigkeit des Filmmaterials. Der Dichteunterschied der drei Farbkanäle ist den Farbfiltern geschuldet, die die orangefarbene Maske des Films ergeben und die während der Negativumwandlung durch eine einfache Farbbalanceeinstellung wegfallen. Die Anfangsdichte des Rotkanals erlaubt es jedoch die Grundkörnigkeit des gesamten Materials abzuschätzen. Was im Diagramm als Rot, Grün, Blau bezeichnet ist, bezieht sich auf das spätere Positivbild. Für das Negativ handelt es sich dabei also um Cyan, Magenta und Gelb.

 

Um den Einfluss der Grundkörnigkeit zu illustrieren, werde ich, da wir eine allgemeine Eigenschaft von Farbnegativfilm betrachten, die nichts mit ColorPerfect bzw. ColorNeg im Speziellen zu tun hat, nicht auf ein umgewandeltes Negativ zurückgreifen, sondern Ausschnitte zweier unbearbeiteter linearer Scans verwenden. Die verwendeten Scans wurden mit Mehrfachabtastung, geeigneten Analogverstärkungseinstellungen und bei 4.000 dpi erzeugt. Die gezeigten Ausschnitte wurden bei 100% Vergrößerung entnommen. Die Negative zeigen eine identisch aufgebaute Szene im Studio. Der einzige Unterschied zwischen ihnen ist, dass die Leistung des Blitzes für das zweite Negativ verdoppelt wurde, sodass dieses Negativ einen Lichtwert mehr an Belichtung bekam. Das erste Negativ ist bereits, was man allgemein korrekt belichtet nennen würde, lassen Sie uns jedoch seine hellsten Teile betrachten, die im späteren Positivbild die dunkelsten Partien werden.

Das dunkelste Element der Szene ist ein schwarzes Moltontuch. Im gezeigten Ausschnitt des ersten Negativs können wir seine Struktur kaum erkennen. Sie wird von der Grundkörnigkeit des Films überdeckt. Wenn wir jedoch einen Lichtwert mehr an Belichtung zugeben, wird die Struktur des Gewebes deutlich besser sichtbar. Die Abbildung des Stoffes fällt jetzt über die Dichte der Grundkörnigkeit und hebt sich damit vom Grundrauschen des Negativfilms ab. Vergleichen Sie die Ausschnitte der beiden Negative durch mehrmaliges hin- und herschalten. Beide Scans wurden nicht nachgeschärft. Es fällt auf, dass die helle Beschriftung der Skala auf beiden Bildern nahezu gleich scharf erscheint. Sie können die Ausschnitte auch vergrößern.

Das Gleiche gilt auch für stark gesättigte Farben. Damit eine Farbe stark gesättigt erscheint, muss zumindest eine der drei Primärfarben weitestgehend fehlen. Daher wird zumindest ein Farbkanal im späteren Positivbild sehr dunkel - oder auf dem Negativ hell und damit nah an der Grundkörnigkeit des Filmmaterials sein. Schauen wir uns eine feuerwehrrote (auf dem Negativ cyanfarbene) Farbfläche auf dem gleichen Negativ an. Wenn wir die Belichtung um einen LW erhöhen, wird auch hier ein Unterschied bezüglich des Bildrauschens deutlich erkennbar.

Der hier geschilderte Sachverhalt ist oft die Ursache für Rauschen in den dunklen Bereichen oder stark gesättigten Farben umgewandelter Farbnegative, das nicht durch Einstellungen in der Scannersoftware abgemildert werden kann. Es könnte oft durch geeignetere Belichtungseinstellungen vermieden werden, doch da die Belichtung zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgt ist, manchmal vor langer Zeit, hilft dies zunächst wenig. Wenn solches Farbrauschen also wirklich ein Problem in Ihren Bildern ist, müssen Sie sich wahrscheinlich mit spezieller Software zur Rauschreduzierung beschäftigen.

Mehrfachabtastung kann jedoch sehr wohl für Negativscans nützlich sein. Solche Scannerfunktionen dienen der Minderung von Rauschen in den dunkelsten Bereichen des Negativs, die den größten Teil der mittleren und hellen Farbtöne des späteren Positivbildes enthalten.