Die Alpha-Funktion in ColorPerfect und der Alpha-Auswahl Workaround für PhotoLine

Was wir als "Alpha-Funktion" bezeichnen, ist eines der fortgeschrittenen Werkzeuge in ColorPerfect. Es kann genutzt werden, um die korrekten Farben einer Version eines Bildes auf die Tonskala einer beliebigen zweiten anzuwenden. Dies ermöglicht es dem Anwender, die breite Palette an Werkzeugen der Host-Anwendung zu nutzen, um die gewünschte Tonskala zu erzeugen, während er sich dennoch auf ColorPerfect verlässt, um die Farbintegrität aufrechtzuerhalten. Die Alpha-Funktion kann in Kombination mit allen Modi von ColorPerfect verwendet werden. Sie kann im Modus Überarbeiten genutzt werden, kann aber auch direkt mit ColorNeg, ColorPos und PerfectRAW kombiniert werden.

Die Alpha-Funktion wurde bereits mit ColorPerfect 1.05 eingeführt und die Idee dahinter ist, die erweiterten Möglichkeiten von Photoshop und PhotoLine bedenkenlos einsetzen zu können: Kurven, Ebenen, maskierte Einstellungsebenen usw. werden verwendet, um ein Bild zu erzeugen, das die perfekte Tonskala (später darunterliegendes Schwarzweißbild) hat, aber keine Farbintegrität besitzt und dies auch nicht muss. Dann konvertieren Sie das Bild mit ColorPerfect nach Graustufen und lassen ColorPerfect die Originalfarben auf diese monochrome Bildversion anwenden, damit die Farbintegrität wiederhergestellt wird. Natürlich werden nun, da dieses Tool verfügbar ist, viele weitere kreative Anwendungen daraus hervorgehen.

Was ist der Unterschied zwischen der Alpha-Funktion und Alpha-Auswahl?

Unsere ursprüngliche Alpha-Funktion funktioniert derzeit nur, wenn das Plug-in mit Adobe Photoshop als Host gekoppelt ist. Das liegt daran, dass die Funktion auf der Verwendung eines vierten Farbkanals als Träger für die gewünschte Tonskala beruht und auch auf einer Technik zum Aufruf des Plugins, die in den anderen Host-Anwendungen nicht funktioniert. Ein solcher zusätzlicher Farbkanal wird oft als Alphakanal bezeichnet - was dem Feature seinen Namen gab.

Für PhotoLine haben wir eine alternative Methode entwickelt, die auf eine Auswahlmaske als Träger für die gewünschte Tonskala setzt: Alpha-Auswahl.

Alpha-Auswahl ist standardmäßig deaktiviert und muss für jeden Modus, in dem Sie die Funktion verwenden möchten, aktiviert werden. Aktivieren Sie dazu das Kontrollkästchen "Alpha-Auswahl möglich" in den Optionen der Modi ColorNeg, ColorPos, PerfectRAW und/oder Überarbeiten. Nachfolgend wird stets das Kontrollkästchen Alpha-Auswahl auf der Palette Start angezeigt, wenn beim Aufruf des Plug-in eine Auswahl für ein Bild verfügbar ist. Die eigentliche Alpha-Funktion ermöglicht die Übertragung einer Tonskala mit 16-Bit-Genauigkeit, während Auswahlmasken nur über 8-Bit-Genauigkeit verfügen. Wenn die Tonskala eines finalen Bildes mittels der Auswahl transportiert wird, macht dieses technische Detail jedoch kaum einen Unterschied.

Verwendung der Alpha-Funktion (Photoshop) oder von Alpha-Auswahl (PhotoLine) für Positivbilder

 

Um die Verwendung von Alpha-Funktion und Alpha-Auswahl zu veranschaulichen, habe ich ein RAW-Foto einer Straßenszene in San Francisco gewählt. Wenn Sie die Original-RAW-Datei auf unser Hilfsprogramm MakeTiff ziehen, erhalten Sie eine lineare Tiff-Datei, die ohne erzwungene anfängliche Bearbeitung in Photoshop oder PhotoLine geöffnet werden und nachfolgend mit ColorPerfect im Modus PerfectRAW zu einem fertigen Positivbild ausgestaltet werden kann. Dass das von MakeTiff erstellte Tiff-Bild so dunkel und grün aussieht, wie es der Fall ist, ist normal und so zu erwarten. Die Hintergründe dazu werden einem weiteren Artikel beschrieben.

Mit PerfectRAW können wir schnell ein erstes Positivbild aus dem Foto erstellen, das die gewünschten Farbinformationen enthält. Wenn wir diese Version als Kopie speichern, können wir weitermachen und die Version mit der gewünschten Tonskala erstellen.

Dafür können wir die breite Palette an Werkzeugen von Photoshop oder PhotoLine nutzen, ohne zu sehr auf Farbe zu achten. Nur Pixelbewegungsbefehle wie der Klonpinsel sollten zu einem späteren Zeitpunkt verwendet werden. Für dieses Beispiel habe ich speziell Werkzeuge gewählt, die die Farben irreparabel zerstören, aber dabei versucht, eine interessante und kontrastreiche Tonskala zu erzielen.

Nachdem wir diese zweite Version des Bildes erstellt haben, müssen wir den Modus Überarbeiten in ColorPerfect verwenden, um deren Sättigung auf 0 zu setzen und so eine graue Bildversion zu erzeugen.

Überspringen Sie diesen Absatz, wenn Sie PhotoLine verwenden. Nach der Erstellung der grauen Version des Bildes müssen wir einen ihrer drei Farbkanäle auswählen, z. B. den Grünkanal, so dass nur dieser angezeigt wird. Dann kopieren wir diesen Kanal (Strg+A, Strg+C) und fügen ihn als vierten Farbkanal in unsere Bildversion mit den Originalfarben ein. Dazu erstellen Sie zunächst einen neuen Farbkanal in dem entsprechenden Dokument, aktivieren nur ihn und fügen dann die kopierten Daten dort ein (Strg+V). Die dafür verwendete Bilddatei darf nur aus einer Ebene vom Typ Hintergrund bestehen (nicht aus mehreren Ebenen oder einer Ebene, die Transparenz zulässt) oder der letzte Schritt wäre unmöglich: Alle vier Farbkanäle so auszuwählen, dass sie sichtbar und aktiv sind (die Augensymbole müssen vorangestellt sein und die Kanalnamen müssen wie abgebildet hervorgehoben sein). Sobald Sie nachfolgend ColorPerfect aufufen, wird die Alpha-Funktion automatisch verwendet.

Überspringen Sie diesen Absatz, wenn Sie Adobe Photoshop verwenden. In PhotoLine müssen wir das Graubild stattdessen als temporäre PLD-Datei speichern. Hier ist die Verwendung des PhotoLine-Bildformats erforderlich. Nach dem Speichern der PLD-Datei kann das zweite Bild geschlossen werden. Kehren Sie zu dem zuvor gespeicherten Ausgangsbild zurück und laden Sie die temporäre PLD-Datei mit dem Befehl "Maske Laden" in PhotoLine als Auswahlmaske. Der Befehl befindet sich in PhotoLine im Menü: Werkzeug => Maske => Maske laden. Mit der aktiven Auswahl können wir nun ColorPerfect aufrufen, um die Originalfarben auf die von uns erstellte alternative Tonskala anzuwenden. Das Kontrollkästchen "Alpha-Auswahl" sollte auf der Palette Start angezeigt werden. Wenn dies nicht der Fall ist, müssen wir das Kontrollkästchen "Alpha-Auswahl möglich" in den Optionen des aktuellen Modus aktivieren und die Schaltfläche zum Zurücksetzen (<<) verwenden, um die Palette Start nach Aktivierung der Einstellung erneut anzuzeigen.

Alles, was wir nach dem Aktivieren der eigentlichen Alpha-Funktion oder dem Aktivieren des Kontrollkästchens Alpha-Auswahl noch tun müssen, ist das Verlassen des Plugins durch Drücken des Button OK.

Wir könnten natürlich auch einige der Werkzeuge in ColorPerfect verwenden, bevor wir das tun. Insbesondere die Verwendung der Kompression der Lichter und der Sättigungsanpassung ist hier oft sinnvoll. Die meisten Steuerelemente in ColorPerfect funktionieren, verhalten sich aber anders als bei der Arbeit mit einem normalen Bild. Dies liegt daran, dass wir den Alphakanal verwenden, um das Graustufenbild, das dem Farbbild zugrunde liegt, vollständig zu spezifizieren. So wären die Regler, die nur das Graustufenbild betreffen (Schwarz, Lichter, Gamma, Zonen,....) völlig wirkungslos, während Regler, die nur die Farbe betreffen (CC, Sättigung, etc.) sich normal verhalten würden und Regler, die sowohl die Farbe als auch das Graustufenbild betreffen (Weiß, Abgestuftes Weiß) nur ihre Farbfunktion hätten.

Wir haben uns jedoch entschieden, dass Schwarz, Lichter, Gamma und Zonen nicht völlig ohne Funktion und damit nutzlos sein sollten, sondern dass sie stattdessen mit dem Graustufenbild des Alphakanals arbeiten und so die Möglichkeit bieten, das dem Farbbild zugrundeliegende Graustufenbild zu perfektionieren. Mit der 16-Bit-Tonskala der Alpha-Funktion gibt es dabei mehr Spielraum als bei Verwendung von Alpha-Auswahl.

Derzeit haben wir den Rest der Funktionen nicht verändert und die Auswirkungen von Weiß und SP im Besonderen können etwas seltsam aber nützlich sein, wenn man damit experimentiert. Eine unerwartete Anwendung ist das Eliminieren von "Farbrauschen", das bei dieser Arbeitsweise auftreten kann, insbesondere bei extremeren Anpassungen. Beide Regler können dieses Rauschen entweder verstärken oder verringern.

Nach Betätigen des Buttons OK erstellt ColorPerfect eine Version des Bildes, die die Tonskala unserer fehlfarbigen Bildanpassung beibehält, aber die Farben aus unserem Originalbild wiederherstellt. In PhotoLine können wir nun die Auswahl deaktivieren (Strg+D), in Photoshop können wir den Alphakanal löschen. Wenn wir das Gefühl haben, dass wir es mit der Anpassung übertrieben haben, ist es oft eine gute Idee, unsere angepassten und originalen Bilder in einem angemessenen Maß zu mischen.

Anwendung der Alpha-Funktion (Photoshop) oder von Alpha-Auswahl (PhotoLine) direkt auf Farbnegative

 

Die gleiche Methode kann direkt bei der Arbeit mit Farbnegativen verwendet werden. Als zweites Beispiel habe ich daher ein Foto ausgewählt, das mein Großvater von mir als Kind gemacht hat, als ich mit einigen Spielzeugautos spielte. Der lineare Scan des Originalnegativs kann im Modus ColorNeg in ColorPerfect schnell umgekehrt werden. Ich habe in dieser Konvertierung von Negativ zu Positiv nichts Besonderes getan. Die Wahl einer der in ColorNeg eingebauten Kodak-Filmcharakterisierungen für einen älteren Consumer-Filmtyp hat sofort eine recht gute Farbigkeit für das Bild ergeben.

Als zweite Bildversion habe ich bewusst die Physik der Trasformation von Szene über Farbnegativ hin zum Positivbild ignoriert. Ich habe in Photoshop den Befehl: Bild => Anpassen => Invertieren anstelle von ColorNeg verwendet (in PhotoLine: Werkzeug => Farbe => Invertieren), der die Helligkeit eines Bildes so umkehrt, dass Schwarz einfach zu Weiß wird und umgekehrt. Diese simple Funktion erzeugt aus jedem Positivbild ein Pseudonegativ oder führt ein solches Pseudonegativ in sein ursprüngliches Farbbild zurück. Für tatsächlichen Farbnegativfilm funktioniert das so überhaupt nicht, denn es sind die Dichtewerte des Films, die additiv sind und nicht etwa die Lichtintensitäten einer gegebenen Szene.

Nichtsdestotrotz habe ich diese Einstellung mit einigen ebenso ausgefallenen Anpassungen via der RGB-Kurven in Photoshop kombiniert, um eine alternative Version des Bildes zu kreieren. Ihre Farben sind völlig irreparabel, aber die Verwendung der Alpha-Funktion oder von Alpha-Auswahl, wie oben beschrieben, um die Tonskala dieser zweiten Version auf das Originalnegativ im Modus ColorNeg anzuwenden, wirkt sich sehr gut auf den Stoff meiner Jeans aus und lässt die kleinen Autoaufkleber auf meiner Spielzeugkiste deutlicher hervortreten.

Die Verwendung des Modus ColorNeg in Kombination mit der Alpha-Funktion oder Alpha-Auswahl ergibt ein völlig anderes Positivbild. Auch hier kann es eine gute Idee sein, einen Teil der ursprünglichen Bildversion wieder in das Ergebnis der künstlerischen Anpassung einzublenden, wenn wir das Gefühl haben, dass wir zuviel des Guten getan haben. Dies kann mit Ebenen und Deckkraft oder mit aufwändigeren Methoden wie Ebenen, einem Radiergummi mit weicher Kante, dem Protokollpinsel und/oder dem Befehl Bearbeiten => Verblassen in Photoshop geschehen. Beim Vergleich mit dem Originalbild zeigt sich, dass es sich auf unerwartete Weise auszahlen kann, spielerisch nach Kombinationsmöglichkeiten für die Alpha-Funktion zu suchen.

Was ist daran neu? Funktioniert die gleiche Art der Farbübertragung nicht einfach im Lab-Modus in Photoshop?

 

Die kurze Antwort auf den zweiten Teil der Frage lautet nein. Während einige Dinge, die den Lab-Farbmodus betreffen, das Nächstbeste für unser Alpha-Feature in Photoshop und PhotoLine sind, ist es unmöglich, die gleiche Ergebnisqualität zu erzielen. Wenn Sie noch nie den Lab-Modus für so etwas verwendet haben, lesen Sie bitte nicht weiter. Das Folgende ist für Ihre Arbeit mit ColorPerfect nicht relevant und ColorPerfect verwendet Lab nicht.

Für diejenigen, die sich für diese Frage interessieren, werde ich die Antwort trotzdem kurz halten. Der technische Unterschied besteht darin, dass die Alpha-Funktion von ColorPerfect unabhängig von der Helligkeit des Quellfarbbildes arbeitet. Wenn wir ein eher dunkles Original-Farbbild hätten - was absolut in Ordnung wäre, wenn es ein 16-Bit-Bild wäre - und die Tonskala, die wir oben erstellt haben, in dieses Quellbild übertragen würden, indem wir den Lab L-Kanal des einen Bildes auf den des anderen kopieren würden, würde dem Ergebnis massiv eine gewisse Farbqualität fehlen. Diese Qualität, die mit zunehmenden Helligkeitsunterschieden stärker verloren geht, wird manchmal als Chromatizität bezeichnet. Der Grad der Abweichung ist auf Pixelebene je nach Helligkeitsdifferenz unterschiedlich und kann in Photoshop oder PhotoLine durch nichts präzise korrigiert werden. Wenn Sie ColorPerfect für die Übertragung der neuen Tonskala auf die Farbe des dunklen Quellbildes verwenden, ist das Ergebnis identisch mit dem oben gezeigten. Dabei spielt es keine Rolle, ob das ursprüngliche Farbbild dunkel oder hell ist.

Das hier gezeigte Problem der Anpassung von L* in L*a*b*-Bildern kann übrigens mathematisch gelöst werden. Wir haben das Problem in unserem alten Gamsat-Plugin gelöst, das intern L*a*b* verwendet hat, und wir haben die Korrekturanpassung in GamSat als Ambiente bezeichnet. Wir glauben, dass das Ambiente-Konzept ebenfalls erstmals von uns entwickelt wurde, aber ColorPerfect benötigt es aufgrund unseres neuen Ansatzes der vollständigen Farbintegrität für die digitale Bildbearbeitung nicht mehr.

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